Naturlehrpfad Ermingen

 


Inmitten des Naherholungsgebietes Ulmer Hochsträß ist der Erminger Naturlehrpfad mit den Stationen:

1. Naturdenkmal Turritellenplatte
2. Feucht- und Trockenbiotop Tosertal
3. Mammutbäume
4. Erminger Sonnwendplatz
5. Aussichtspunkt Alpenpanorama


Station 1: Naturdenkmal Turritellenplatte

"Ermingen am Molassemeer" Das Naturdenkmal Erminger Turritellenplatte wurde 1980 als geologisch flächenhaftes Bodendenkmal ausgewiesen und ist ein erdgeschichtliches Dokument. Namensgebend sind die hier massenhaft vorkommenden Gehäuse der Turmschnecke Turritella turris. Außerdem findet man Muschelschalen und vereinzelt Haifisch- und Rochenzähne. Die Turritellenplatte entstand vor etwa 20 Millionen Jahren am Nordrand des Molassemeeres, das bis in unsere Region vordrang und die sandigen Schillkalke der Oberen Meeresmolasse ablagerte. Der Erminger Bevölkerung war die Turritellenplatte schon seit Generationen als Lieferant für Steine zum Bau von Gebäuden, Wegkreuzen und Altären sowie zur Kennzeichnung von Gemarkungsgrenzen bekannt. In zahlreichen Berichten wird die Turritellenplatte schon seit über 150 Jahren als bedeutende und einzigartige Meeresablagerung und Fossillagerstätte beschrieben. Der Stuttgarter Paläontologe Carl Hartwig von Zieten bezeichnete in seinem Buch "Die Versteinerungen Württembergs" 1833 als Erster dieses lokale Gesteinsvorkommen mit dem Namen "Turritellenplatte". Das Molassemeer Mit zunehmender Heraushebung der Alpen sank das Alpenvorland unter den Meeresspiegel. Das damalige Tethys-Meer, das sich südlich der Alpen ausdehnte, drang von Osten über das Wiener Becken und von Südwesten über das Rhonetal in das Molassebecken vor. Es bildete sich ein bis zu 100 km breiter Meeresarm, die sogenannte Paratethys. Die Südküste des Molassemeeres war von den Alpen begrenzt. Nach Norden drang das Meer schubweise vor und hinterließ mehrere Küstenlinien, die man heute im Gelände als flache Brandungsküsten (z. B. bei Ermingen und Baltringen) oder als steile Küstenlinie (z. B. Heldenfinger Kliff) erkennen kann. Was ist eine Turritelle ? Die Turmschnecke Turritella turris gehört zur Familie der Turm- und Schraubenschnecken mit einem regelmäßigen Windungsverlauf ihrer Schalen. Die Gehäuseform ist spitz, turmartig und erreicht eine Länge von 70 mm und eine Breite von 18 mm. Sie hat eine größere Anzahl von erhabenen Windungen (11 bis 14), die durch eine tiefe Naht voneinander getrennt sind. Die Mündung des Gehäuses ist kreisrund. Die Gehäuseoberfläche besitzt eine spiralige Skulptur, die von verschieden hohen Rippen gebildet wird.


Station 2: Feucht- und Trockenbiotop Tosertal Im Tosertal,

nördlich von Ermingen, wurde eine Teilstrecke des Toserbachbetts renaturiert und die Ufer mit Feuchtbiotoppflanzen begrünt. An der Quelle wurde ein Teich mit Wasser- und Uferpflanzen angelegt. In der Nähe zieht sich eine Magerwiese den Talhang entlang mit Silberdisteln und zu verschiedenen Jahreszeiten blühenden Orchideen- und Enzianarten. Dieses bemerkenswerte, großflächige Feucht- und Trockenbiotop wurde 1992 durch die Anpflanzung einer aus verschiedenen einheimischen Sträuchern zusammengesetzten Grünbrücke mit der nahen Waldinsel vernetzt.


Station 3: Mammutbäume

Am nördlichen Ende des Lehrpfads (nahe einer Forsthütte) stehen 3 Mammutbäume (Sequoiadendron giganteum). Sie sind ca. 30 m hoch und überragen deutlich die sie umgebenden Waldbäume. Ihr Stamm ist in 1 m Höhe über dem Boden ca. 1,30 m dick. In ihrer Heimat, an den westlichen Hängen der Sierra Nevada in Kalifornien, werden die Mammutbäume 80 m bis 100 m hoch und Stammdurchmesser von bis zu 7 m sind nicht selten. Die rotbraune schwammig-rissige Borke läßt sich mit der Hand eindrücken und wird 30 - 60 cm dick. In Europa sind die ältesten Bäume erst ca. 60 - 80 Jahre alt, sind aber zum Teil schon 30 m und mehr hoch.


Station 4: Erminger Sonnwendplatz

Auf der Anhöhe beim Teilort Allewind befindet sich der Sonnwendplatz. Er besteht aus 12 Stelen (12 Monate), die kreisförmig in einem Radius von 12 Metern angeordnet sind. An den Tagen der Sommersonnenwende und der Wintersonnenwende werden innerhalb des Steinkreises bestimmte Punkte durch das steinerne Tor hindurch von der Sonne angestrahlt. Die Sonnenwenden sind die Umkehrpunkte in der Deklinationsbewegung der Sonne, die am 22. Juni bei der größten nördlichen Deklination (Sommeranfang) und am 22. Dezember bei der größten südlichen Deklination (Winteranfang) der Sonne eintritt. Der Erminger Sonnwendplatz wird gleichzeitig noch dahingehend genutzt, daß das alljährlich stattfindende traditionelle Funkenfeuer am 1. Fastensonntag (6. Sonntag vor Ostern) hier abgehalten wird.


Station 5: Aussichtspunkt Alpenpanorama

Am südlichen Ortsausgang von Ermingen steht, am Rand eines Steilhangs, die Alpenpanorama-Tafel. Auf einem Steintisch zeigt eine mit Glas abgedeckte Metalltafel die von diesem Aussichtspunkt bei klarer Fernsicht erkennbare Silhouette des Alpenpanoramas. Dargestellt sind Gebirgsgruppen und einzelne Berggipfel. Sie sind mit ihren Namen, mit Höhen- und Entfernungsangaben versehen. Das Alpenpanorama ist sowohl in seiner Ost-West-Ausdehnung, als auch in seines räumlichen Tiefe maßstabsgerecht dargestellt. Mit Hilfe dieser Panoramatafel kann der Besucher die genaue Position der sichtbareb Berge und Berggruppen am Horizont bestimmen, von der Guffertspitze (160 km entfernt) im Südosten, über die Zugspitze (130 km), Hochvogel (117 km), Säntis (136 km) bis zum Windgällen (195 km, Glarner Alpen) im Südwesten.