Die Erminger
Turritellenplatte


Die Erminger Turritellenplatte
ist eine 20 Millionen Jahre alte Strandablagerung des Molassemeers aus dem Untermiozän. Nur selten ist das Erkennen eines Molassesediments (Gesteinsablagerung) so leicht wie an der bei Geologen und Paläontologen weltberühmten Erminger Turritellenplatte, 500 Meter nordwestlich der Gemeinde Ermingen und 5 km westlich von Ulm, wo der weitverbreiteten Gesteinsablagerung der "Unteren Süßwasser-molasse" eine kleine Insel "Obere Meeresmolasse" aufliegt.Millionen etwa streichholzlanger spiraliger Kegel der Turmschnecke Turritella turris wurden hier auf einer flachen Strandterrasse der einstigen Nordküste des Molassemeers zusammengeschwemmt und mit Kalkbröckchen und Quarzkörnchen zu einer mehrere Meter mächtigen Schneckenkalkablagerung (Schneckenbreccie) verbacken. Die Brandungswellen des Molassemeers hatten außer Turritellen auch Muscheln zahlreicher Arten, hauptsächlich große dickschalige Austern, feingerillte Herzmuscheln und glattschalige Tapesmuscheln auf den flachen Sandstrand gespült.

Von den versteinerten Überbleibseln der Fauna des Molassemeers wurden vereinzelt Zähne von Haien, Rochen, Brassen und anderen Fischarten im Kalksandstein eingelagert. Desweiteren blieben auch Zähne von Krokodilen erhalten.Das Meeresmolassegestein oberhalb von Ermingen liegt unter Waldboden verborgen. Die ganze Fläche ist von metertiefen Gruben durchsetzt, die früher von Erminger Einwohnern zur Gewinnung von Baumaterial ausgehoben wurden, bevor die Ziegelsteinherstellung begann. Der harte Molassestein wurde über Jahrhunderte zu Steinqadern behauen, der hauptsächlich beim Hausbau als Fundamentstein Verwendung fand. Aus diesem verwitterungsbeständigen Stein wurden auch Markungssteine und Feldkreuzsockel hergestellt. Der Härte des Kalksandsteins ist es zu verdanken, daß dieses Gesteins-vorkommen erhalten blieb und den Abtragungskräften des Wassers und der Verwitterung bis heute widerstand.

Die Turmschnecke Turritella turris gehört zur Familie der Turm- oder Schraubenschnecken mit einem regelmäßigen Windungsverlauf ihrer Schalen. Das schlanke, turmförmige Gehäuse von Turritella turris erreicht eine Länge von 70 mm und eine Breite von 18 mm. Sie hat eine größere Anzahl erhabener Windungen (11 bis 14), die durch eine tiefe Naht voneinander getrennt sind. Die Mündung des Gehäuses ist kreisrund. Die Gehäuseoberfläche besitzt eine spiralige Skulptur, die von verschieden hohen Rippen gebildet wird. 3 bis 5 Rippen sind in der Regel gröber, die restlichen 3 bis 6 feiner ausgebildet. Das Naturdenkmal Turritellenplatte: Wegen des waldzerstörenden Raubbaus von Fossiliensammlern wurde die Turritellenplatte von der Forstverwaltung durch einen Zaun abgesperrt.

Die Fossilfundstelle steht heute unter Naturschutz. Sie ist vom Landesdenkmalamt zu einem geologischen Naturdenkmal erklärt worden. Zusammenfassung: Die Erminger Turritellenplatte ist vor allem aufgrund ihrer Einzigartigkeit ein Naturdenkmal. Als Besonderheiten sind folgende geologische und paläontologische Merkmale zu nennen:- Sie ist das einzige Kalksandsteinsediment der Oberen Meeresmolasse mit einem massenhaften Vorkommen der schlanken, turmförmigen Gehäuse der Meeresturmschnecke Turritella turris.- Dieses Meeresstrandrelikt ist der sichere Nachweis, daß die Küstenlinie des Molassemeers einstmals auf dem Hochsträß verlief.- Das kleinräumige Verbreitungsgebiet des Schneckenkalkgesteins auf einer Fläche von nur wenigen hundert Quadratmetern macht die Turritellenplatte geologisch besonders wertvoll und rechtfertigt die Unterschutzstellung als Naturdenkmal.

Wie groß war das miozäne Molassemeer ?

Das Molassemeer, auch Paratethys genannt, war ein Binnenmeer. Es hatte Verbindungen zu dem im Tertiär bestehenden Tethys-Ozean über das Wiener Becken im Osten und über das Rhonetal im Südwesten. Die Südküste des Molassemeers verlief entlang des Alpennordrands. Erdzeitalter: Jungtertiär, Untermiozän, Stufe Eggenburgium (Burdigal).

Zum Lebensraum der heutigen Turritellen-Schnecken: Die Turritellen leben eingegraben im Meeressand in bis zu 40 Metern Meerestiefe. Ihr heutiges Verbreitungsgebiet ist weltweit.Nach ihrem Tod werden ihre Gehäuse häufig ausgeschwemmt, in einzelnen Lagen angereichert und mit ihren Spitzen gegen den Strom eingeregelt.

Klimatische Verhältnisse: zur Zeit des Bestehens des Molassemeers waren die Temperaturen im Jahresmittel höher als heute. Alle damals lebenden Organismen weisen auf ein anfänglich ausgeglichenes, subtropisches Klima hin (geringer Temperaturunterschied zwischen Sommer und Winter), das sich gegen Ende der Meeresausbreitung zu einem mehr warmen, gemäßigten Klima veränderte.

Die Vegetation setzte sich aus wärmeliebenden Pflanzen zusammen. Aufgrund von Pflanzenfossilfunden in verschiedenen Ablagerungsgebieten der Oberen Meeresmolasse kann angenommen werden, daß die damaligen Wälder aus Pappeln, Weiden, Lorbeer und Koniferen, desweiteren aus Platanen, Walnuß, Kastanien, Zimtbaum, Magnolien und Buchen bestanden. Auch Palmen kamen vereinzelt vor.